Von Tanz- und Waldbrüdern

 

Es war von langer Hand geplant und die Nervosität war den an der Sparkasse versammelnden Extremsportlern deutlich anzusehen. Unsere Trainerin genannt der „Kommandant“ hatte im Chat die Einzelheiten zur heutigen Exkursion nochmals präzisiert. Wir treffen uns exakt um 15:00 Uhr an der örtlichen Sparbüchse….. Uhrenvergleich! 

….leider hat es wieder nichts genutzt, einer nach dem anderen torkelte leicht unkontrolliert und verspätet einher….das Unternehmen schien von Anfang an unter einem schlechten Stern zu stehen…Unser Scout und Vogelkundler hatte kurz zuvor abgesagt und wir mussten den unwegsamen gefährlichen Weg nach Langenthal einem stadtbekanntem Physiotherapeuten anvertrauen. Jetzt sind stadtbekannte Physiotherapeuten in der Geschichte der Menschheit nicht als große Naturkundler und Entdecker bekannt geworden, was wiederum Zweifel am Erfolg unserer Exkursion weckte….Zudem fehlte immer noch ein wichtiges Mitglied unseres  Expeditionsteams. Doktor Kleinmann, der erste Bürger der Stadt, war noch in wichtige Regierungsgeschäfte verstrickt….das Problem: ohne unseren bedeuteten Prominenten konnten wir nicht in die anstehende Dschungelprüfung. 

Im Glutofen vor der Kreissparkasse begann der Bembel in den Dosen schon zu blubbern, als er endlich gehetzt eintraf….Wir wollten soeben aufbrechen als sich von seiner Residenz oben am Michelberg unser Präsident mit seiner überschweren Mercedeslimosine näherte. Als Generalinspekteur des Männerballetts ließ er es sich nicht nehmen, das Himmelfahrtskommando persönlich zu verabschieden. Der Präsident nebst Gattin entschwand dann danach röhrend mit unbekannten Ziel in Richtung Ortskern. Der Tross setzte sich da auch schon in Bewegung.

Beschwerlich war der Aufstieg vorbei am Kutscherhaus und ehemaligen Panoramahotel. Die Aussicht war phänomenal, als wir an der gegenüberliegenden Talwand eine einsame große Hütte entdeckten…“Boah cooles Haus in Toplage“ einer der zahlreichen Ortskundigen identifizierte diese mit den Worten….“da wohnen nur Ziegen….“ „Wen da nur Ziegen wohnen was macht dann die große Solaranlage auf dem Dach?….“ „ist doch logisch, damit Sie mit Warmwasser duschen können“….

Dieser doch recht spannende Dialog entsprang unter anderem einem unserer rothaarigen Prachtexemplare, von denen wir sogar gleich Zwei vorweisen können. Diese Beiden fielen schon bei einem anderen Ausflug, mit Ihrem Fachwissen bzgl. Haltedauer von Regionalzügen bei Raucherpausen in Bahnhöfen auf…aber dass ist eine andere Geschichte….

Wir drangen jetzt in den Wald vor…..in einem finsteren Winkel weit entfernt von touristischen Wanderströmen stießen wir auf eine mysteriöse Künstlerinstallation…Es handelte sich um eine Holzbank mit der Inschrift „Perle des Neckartals“. Die Perle war durch eine fussballgrosse Edelstahlkugel symbolisiert, auf der Bank angebracht. Ingenieur Schnetz, ein überregional bekannter Fummler, musste natürlich sofort an dieses rundliche Objekt handanlegen. „Hoppla, jetzt isch es lose“

Jetzt sind Künstler welche solche Skulpturen erschaffen, zwar mit reichlich Kreativität ausgestattet, aber in der Regel sind sie bzgl. Materialeigenschaften, Statik und Montagetechniken einem wie unserem Ingenieur Schnetz deutlich unterlegen. 

Die Kugel war zwar aus beschusssicheren Duraluminium geschmiedet worden, die dazugehörige Befestigungsschraube hatte sich der widrigen Umweltbedingungen jedoch bereits nach wenigen Wochen ergeben. Sie hatte sich in einen rötlich stinkenden Matsch verwandelt. Ohje was für ein Omen…wir mussten Handeln und das Schicksal der Stadt, symbolisiert durch diese Perle, retten.

Wir beschlossen wie einst bei „Herr der Ringe“ die Gemeinschaft der Perle zu bilden. Diese sollte dann  in Mordor am Katzenbuckel, in der Lava aufgelöst werden.  Sollte sich der Eberbacher Vulkankegel aktuell immer noch als inaktiv herausstellen, dann war alternativ vorgesehen die Perle den Hirschhorner Behörden zu übergeben.

Die Gemeinschaft zog nun weiter. Nach etlichen Kilometern war plötzlich an einer Wegbiegung sowohl ein hölzerner Pavillon wie auch ein abgestelltes Fahrzeug zu sehen. Wir waren am Basislager welches ein eingangs erwähnter Heilkundiger morgens schon eingerichtet hatte, angelangt. Gott sei Dank, denn zu diesem Zeitpunkt bahnte sich Erschreckendes an. Ingenieur Schnetz hatte für die Exkursion sicherheitshalber, in einem professionellen Sportgeschäft der Gebrüder Albrecht, neue Wanderschuhe der Marke Luis Trenker, Original „Made in Bangladesch“ zugelegt. 

Die darin verursachten Schmerzen waren anscheinend kaum auszuhalten. Wir mussten schnellstmöglich handeln und entschieden, entschieden zu amputieren. Wir benötigten einen Arzt!

Doch Doktor Kleinmann weigerte sich aus nicht näher bekannten Gründen die OP durchzuführen.

So musste unsere Kommandantin (die gute Seele) sich der Sache annehmen und dem lädierten Ingenieur einen Verband anlegen. Gestärkt und hilfsärztlich versorgt, ging es weiter. Ein lokaler Imkermeister aus Brombach, sah jetzt seine Chance gekommen, in der zunehmend orientierungslosen Truppe die Führung zu übernehmen. „Mir nach“ rief er, „auf zur Waldbrüderhütte!“ Dem einzig nicht promovierten Schwaben in der Truppe, war es auf einmal nicht so richtig wohl….was waren dass für ominöse Waldbrüder und was machten diese so abgelegen im Wald? Und warum sollten wir dahin? Eine Waldmädcheninternat wäre doch deutlich attraktiver. Nach dem steilen felsigen Abstieg entpuppte sich diese Stätte jedoch als felsiger Unterschlupf für einen Einsiedler aus der Keltenzeit. Was mochte diesen bloß bewogen haben hier in dieser Abgeschiedenheit zu leben? Er musste wohl eine besonders böse Keltin zuhause zurückgelassen haben….

Doch keine Zeit für tiefsinnige Gedanken…weiter ging es. Nun fühle sich ein weiteres Teammitglied befähigt die Führung zu übernehmen. Höher und höher ging der beschwerliche Weg. Es war bei zunehmenden Wegstrecke jetzt auch immer klarer zu sehen warum Langenthal, Langenthal hieß.

Die Häuser im Tal waren nun kaum noch auszumachen und wir stießen langsam bis zur Schneegrenze vor. Wir waren verwirrt, spielte unser neuer Führer mit „gezinkten“ Karten? Doch dann ging es plötzlich entlang der Langenthaler Gletscherzunge wieder bergab. Die Sonne stand schon tief als wir die ersten Hühnerställe in Langenthal erreichten. Dort wollten wir unseren langjährigen nicht mit gewanderten  Kameraden besuchen. In seinem Stammdomizil „im hohen Feld“ kurz im Männerballett auch als „Bock Eins“ bekannt, war er nicht anzutreffen. Doch wir kannten uns aus. Unweit wenige Häuser weiter, gibt es seit Kurzem einen weiteren Familienableger. In Bock Zwei begrüßte uns am Tor auch schon der Willi, bekleidet mit seinem bewährten „Traumschiff Outfit“ inklusive Sonnenbrille. Es gab Bier und Bembel in allen Variationen und im Hintergrund konnte man sogar diverse Käsekuchen und Linsertorten entdecken. Leider zog die Kommandantin hier ein klares Zeitlimit. „ Ihr habt noch 6 Minuten“ 

Gehetzt mussten wir diesen schönen Ort nach einer halben Stunde bereits wieder verlassen. Eine kurze Wegstrecke weiter erreichten wir, mit nur unwesentlicher Verspätung, unser Operationsziel, die Gaststätte Krone in der Altstadt von Langenthal. Bei haarsträubenden Militäranekdoten wurde die Zeit bis zum Essen verkürzt. Nach grandiosen Mahl war man sich einig „ die Krone ist Kult“

Doch die Teilnehmer waren nun erschöpft und wie einst die Völker Israels löste sich die Gemeinschaft nun in alle Richtungen auf.

 

Doch eines ist ganz klar: im langen Tal und bei den Waldbrüdern schallt es wohl lange noch: Das CGHR Männerballett, es lebe hoch, hoch, hoch

 

P.S. Was wurde eigentlich aus der Perle des Neckartals? Diese wurde zwischenzeitlich den Hirschhorner Behörden übergeben, und wenn der Magistrat der Investition in eine neue Edelstahlschraube zustimmt, erstrahlt dieselbe wohl bald wieder bombenfest in altem Glanz am alten Ort

 

 

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