Ausflug Männerballetts 2018 nach Wildschönau

 

Dem aufmerksamen Stadtanzeigerleser wird es nicht entgangen sein, dass es von einer geheimnisumwitternden ominösen örtlichen Tanzgruppe maskuliner Ausprägung keinerlei Nachrichten mehr zu lesen gab. Dies zu ändern möchte ich hier von unserem diesjährigen

CGHR Männerballettausflug berichten, der unter regen Beteiligung Anfang Oktober stattfand.
Die Vorhut traf sich donnerstags mit dem ersten Hahnenschrei an den vor dem Ritterheim bereitstehenden Truppentranspor- tern. So früh am Morgen war noch nicht jeder bereit, sich mit dem vom Training gewohnten fließenden und hochpräzisen Bewegungen in die Fahrzeuge zu verteilen. Zudem hatten wir auch keinen „Bock“. Der war nämlich am Wochenende auf einem Geburtstag eingeladen. Ein Ächzen und Seufzen war zu vernehmen bis Gepäck und Mannschaft unter Schwierigkeiten die Positionen eingenommen hatten. Alsbald nahmen wir Fahrt auf über Heilbronn Richtung Berge. Am Steuer unseres VW Busses ein stadtbekannter Physiotherapeut bekannt für seinen ausgeprägten Witz und Tanzstil. Um diesen zur frühen Zeit vor einem Nickerchen am Steuer zu schützen, entbrannten gezielt heftige Diskussionen. Aus Brombach kam aus gut informierter Quelle ein Lagebericht über das Borkenkäferaufkommen in der Region. Selbst konnte ich dies um den Status der Eidechsenumsiedlung im Rahmen meines heimatlichen Stuttgart 21 Projektes ergänzen (1200 handgefangene Eidechsen konnten zwischenzeitlich vom Bahnhof an den Killesberg umgesiedelt werden). Solche und andere Berichte machten natürlich durstig. So war es recht kurzweilig bis wir in Kufstein das nicht nur hier bekannte Lied anstimmten. Dann waren wir auch schon am Zielort. Wildschönau mit dem „Wilden Kaiser“ im Hintergrund. Auf 1400 m lag hier 100 m von der Bergstation unsere Unter- kunft für die nächsten Tage. Die „Rübezahlhütte“, welche wir mit einer Gondelfahrt ohne weitere Mühen erreichen konnten. Kurz beim Personal angemeldet stürzten sich die beiden Unge- duldigsten und vermeintlich Schlauesten auf das erste Zimmer. Es war in der Annahme, das Erste wäre auch gleichzusetzen mit der „Präsidentensuite“. Falsch gedacht. Aufgrund der 2 m Breite und den hintereinander reingeschobenen Betten bekam dieser später den Spitznamen „Torpedoraum“.

Bei einem kurzem Orientierungsmarsch starteten die militärisch ausgebildeten Beamten in unserem Team, zum Erstaunen aller, eine surrend dahinschwebende Überwachungsdrohne chinesischer Bauart. Das Gelände war gesichert: Indianer, Bären, Schwaben (mit einer Ausnahme) oder ähnliches Unge- mach waren nicht in der Nähe. Nach dem Essen (Gulasch) entbrannte in Abhängigkeit zum steigenden Weißbierkonsum erneut heftige Diskussionen. Leider lief das Interesse an alko- holischen Getränken konträr zur Motivation des Barpersonals. Dort wurde mit den Augen gerollt, das Licht hochgedimmt und um 22:30 die Musik abgestellt. Feierabend.

Wir mussten mangels alternativem Aufenthaltsraum die Sitzung abbrechen und befürchteten für die nächsten Tage Ähnliches: Noch unwissend das sich das Barpersonal, strategisch lediglich auf den Folgetag vorbereitete. Nach grandiosem Frühstücksbüffet wanderten wir dann zur Käsealm, um den dortigen „Olympiakäse- sieger 2018“ auf Brot zu genießen. Unserem mit Wanderstock und Lodenlook ausgestatteten Brombacher Wanderführer folgend, ging es dann stundenlang kontinuierlich auf wackeligem Kies- beet nach unten. Unser knieoperierter Ersheimer „Scharfschütze“ konnte dem Gefälle nicht lange standhalten. Bänder, Knorpel und Sehnen schrien vergeblich um Gnade. Doch mitleidlos zog der „Brombacher“ weiter in die Tiefe. Man muss dies verstehen. Die Natur in den Odenwälder Tälern ist gnadenlos. Wer hier nicht mithalten kann wird den nächsten Sonnenaufgang nicht erleben. So war es für den Schützen ein Glück, das sich u.a. ein hochso- zialisierter Schwabe und Vorort-Frankfurter fand, um den langsam dahinhumpelnden Unglücklichen, vor den Gefahren der Bergwelt schützend, sicher ins Tal zu begleiten.

Zwischenzeitlich waren aus dem heimatlichen Hirschhorn weitere Nachzügler eingetroffen. Auch hatte sich die Rübezahlhütte mit einer feiergelaunten Großfamilie aus dem Erdinger Moos deutlich gefüllt. Satt vom Abendessen

wurde es schnell ruhig und die Gespräche verstummten. Die meisten gerieten jetzt nach der langen Abwesenheit von den Liebsten ins Nachdenken und Grübeln. Was nun die Frau bzw. Freundin wohl daheim machte, ob sie wohl auch so innig an Einen dachte wie wir selbst. Eine dumpfe Traurigkeit kam auf. Die meisten unter uns tranken ihren Kamillentee aus, gingen aufs Zimmer und schalteten, nachdem sie noch kurz in der Bibel lasen, das Zimmerlicht aus und entschlummerten see- lig.........

Das wäre eigentlich die Version gewesen, welche ich ursprüng- lich hier in den Stadtanzeiger stellen wollte. Ja wenn nicht dieser indiskrete Schweinehund gewesen wäre, der an die- sem Abend ein Video an seine Freundin schickte, welche die tatsächlichen Abläufe des Abends dokumentierte....dieses machte in Hirschhorn noch am selben Abend die Runde und zeigte etliche Hirschhorner Tänzer, die u.a. mit diversen Erdin- ger Schönheiten im Polonäseschritt über die Tische tanzten..... ein Barkeeper, der im Coyote Ugly Stil Schnäpse über die Tän- zer leerte und Rothenberger, die mit Hirschgeweihen hinterher tanzten......Es wurde spät und am nächsten Morgen begann die Suche nach dem gewissenlosen „Maulwurf“.

Angesichts der zu erwartenden Unannehmlichkeiten bei der Rückkehr zu den Liebsten, musste die Strafe für den Täter gar fürchterlich ausfallen. Indizien wurden gesammelt, digitale Fin- gerabdrücke genommen und unter Einsatz von Water- bzw. Weißbierboarding wurden so lange Einzelverhöre durchge- führt, bis das charakterlose Individuum im „Torpedoraum“ festgenommen werden konnte. Der gemeingefährlichen Indis- kretion überführt wurde dann letztendlich ein hoher hessischer Beamter. Schwer belastet durch einen Kronzeugen, konnte sein Strafverteidiger das Strafmaß jedoch von Todesstrafe auf „Tanzauftritt in der hintersten Reihe“ abmildern.

Nach einer weiteren Wanderung am nächsten Tag mit mehre- ren Hüttenaufenthalten, hatten wir das Pulver verschossen. Die Erdinger bzw. genauer Bergerler hatten sich für den Samstag- abend mit den trinkfesten Alten Herren vom SV Bergelen ver- stärkt. Diese tummelten sich bereits in rauen Massen um die zwei Holzbaumstümpfe im Wirtsraum und schlugen mehr oder weniger begabt Nägel in das Holz. Wir konnten nach der Vor- geschichte nicht mehr mithalten und gingen nun wirklich früh ins Bett. An Schlafen war jedoch kaum zu denken, denn Berge- len hatte vor Mitternacht die Außenlautsprecher eingeschalten. Gegen drei Uhr Nachts erreichte der Lärm aus der Wirtsstube die Kammlinie. Bergelen hatte zu Klängen von AC/DC nun die Kickstiefel angezogen.....die Nacht war lang.

Gepeinigt und übernächtigt traten wir nun (froh zu unseren Lie- ben zurückzukehren) nach einem weiteren leckeren Frühstück den Heimweg nach Hirschhorn an.
Auch wenn wir natürlich viel lieber daheim weilen, denkt der Eine oder Andere vielleicht doch kurz mit Wehmut an dieses denkwürdige Abenteuer......und an der Bar in der Rübezahl- hütte erschallt es deshalb lange noch: Das CGHR Männerbal- lett, es lebe hoch, hoch, hoch!

 

 

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